Herbstsynode 2017 in Amberg

Bericht von der Herbstsynode der Ev. luth. Kirche in Bayern

26. bis 30. November 2017 in Amberg/Sulzbach

von Brigitta Bogner, Penzberg (für das Dekanat Weilheim)

und Pfarrerin Ulrike Wilhelm, Tutzing (für die Dekanate Fürstenfeldbruck, Bad Tölz und Weilheim)

 

(Ulrike Wilhelm):

Am Sonntag, 26.11.2017 wurde die Herbstsynode mit einem Abendmahlsgottesdienst in der Christuskirche in Sulzbach-Rosenberg eröffnet – in der mancher sich fühlte wie in der Münchener Matthäuskirche, stammt sie doch auch vom Architekten Gustav Gsaenger. Die Predigt hielt Bischof Jack Urame aus der Ev. Luth. Kirche in Papua-Neuguinea. Anschließend wurde die Synode zu einem Empfang der Stadt Sulzbach-Rosenberg eingeladen. Eine großartige Überraschung dabei war ein Auftritt der à capella-Gruppe VIVA VOCE, die ja heuer auch schon ein Konzert in Tutzing gegeben hatte.

 

Am Montag, 27.11. begann die Tagung. Nach der Morgenandacht hielt Anne-Kathrin Preidel die Eröffnungsrede der Präsidentin. Neben einem Rückblick auf das Reformationsjubiläumsjahr nahm darin das Thema Profil und Konzentration (PuK) einen breiten Raum ein; die Präsidentin sieht in diesem Prozess kreative, visionäre und partizipative Spiel-Räume für unsere Kirche eröffnet. Es folgten Grußworte von Bezirkstagspräsident Löffler, Regierungspräsident Bartelt und Oberbürgermeister Cerny. LSA-Mitglied Hans-Georg Haubelt gab dann einen Bericht aus dem Landessynodalausschuss.

 

Anschließend hörten wir den Bericht des Landesbischofs. Er war überschrieben mit dem Wort: „Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes und seiner Gerechtigkeit, so wird euch das alles zufallen“ (Mt 6,33) Auch Heinrich Bedford-Strohm blickte dankbar auf das Jubiläumsjahr 2017 zurück. Mit Sorge blickt er allerdings auf den Traditionsabbruch und manche verfehlte Kommunikationskultur in unserer Kirche sowie auf schwierige politische Entwicklungen (Regierungsbildung in Deutschland, weltpolitische Entwicklungen). Zuversicht gewinnt der Bischof aus der Kraft, die im Glauben steckt. Auch sperrige theologische Begriffe wie Buße, Sünde und Vergebung gelte es neu zu erschließen und in die heutige Zeit zu übersetzen: Buße z.B. sei eine heilsame Unterbrechung des Alltags, Selbstreflektion und Neuausrichtung. Mit dem Rückenwind eines kreativen, begeisternden Reformationsjubiläumsjahres bei hoher ökumenischer Dynamik gehe er in die Zukunft. Er hoffe, dass die Formel aus der Leuenberger Konkordie „Sichtbare Einheit in versöhnter Verschiedenheit“ auch im Hinblick auf die römisch-katholische Kirche allmählich Realität wird: So, wie viele Menschen heute gar nicht mehr wissen, dass es lutherische, unierte und reformierte evangelische Konfessionen gibt, wird zukünftig „Christ sein“ und nicht mehr die Konfession identitätsstiftend sein. Ein Schwerpunkt unserer Arbeit müsse dabei beim Thema Kinder- und Jugendarbeit liegen (mehr Beteiligung, ansprechende Gottesdienstformen, Ökumene, Sozialprojekte, Umweltarbeit u.a.). Ein Videobericht vom Bau einer Jugendkapelle bei Amberg wurde abgespielt und als ein sehr gelungenes Projekt vorgestellt. Auch hob der Bischof die Bedeutung des Religionsunterrichtes hervor und dankte allen in diesem Bereich Tätigen (54% der RU-Unterrichtsstunden in Bayern werden von kirchlichen Lehrkräften erteilt). Ermutigend findet der Landesbischof den PuK-Prozess und ruft alle dazu auf, sich konstruktiv mit einzubringen.

 

Es folgte eine Aussprache zu den bis dahin gehörten Berichten.

 

 

 

 

Nach der Mittagspause und weiteren Grußworten (Präsident Lorenz der Ev. Kirche in der Pfalz, Dr. Schuegraf vom Amt der VELKD und ein Gast aus der Synode Ungarns) stellte Oberkirchenrat Dr. Erich Barzen in seiner Haushaltsrede zunächst den Jahresabschluss 2016 vor. Der Haushalt entsprach dem Plan und war ausgeglichen. Er strich heraus, dass die Geldanlagen der ELKB nach strengen Kriterien der Nachhaltigkeit und Ethik geschehen.

Im Haushalt 2018 werden die Kriterien der Vorsteuerung eingehalten 922,7 Mio € (81% davon aus Kirchensteuer-Einnahmen). Die gute Wirtschaftslage gleicht derzeit noch den Rückgang der Kirchenmitglieder aus. 921,3 Mio. € werden ausgegeben, mehr als die Hälfte davon fließen in Personalausgaben. Das Thema „Immobilien“ nahm einen breiten Raum in der Rede ein. Die Landeskirche hat zwischenzeitlich eine klare Struktur hinsichtlich ihrer Immobilien (Ertragsimmobilien, Dienstimmobilien, Pfründestiftungen) entwickelt. Künftig soll vermehrt in Immobilien investiert werden. Für die Stadt Nürnberg ist – nach Ankauf des Hauses in der Bayreuther Str 1 (genannt „B1“) – derzeit ein Gesamtkonzept für Dienstimmobilien in Arbeit.

 

Auch Herr Joachim Pietzcker, der Vorsitzende des Finanzausschusses, unterstrich, dass wir finanziell noch gut aufgestellt sind. Die Vorsteuerung sei der richtige Weg. Der Mehraufwand für Pensions- und Beihilferückstellungen (z.B. durch die höhere Altersstruktur) konnte 2016 noch gut aufgefangen werden durch Kirchensteuer-Mehreinnahmen. Ein Schlüssel der Haushaltskonsolidierung liege seiner Meinung nach in der Frage der Versorgungsbezüge. Auch für 2018 sieht Pietzcker einen ausgeglichenen Haushalt. Zukünftig freilich vermutet er geringere Spielräume aufgrund der demographischen Entwicklung (0,8% Kirchenaustritte pro Jahr, Altersstruktur der Bevölkerung). Für das Jahr 2020 schlägt der Finanzausschuss vor: Der allgemeine Vorsteuerungssatz soll um einen Prozentpunkt auf + 2,8% erhöht werden; für den innerkirchlichen Finanzausgleich (Budget Gemeindebereich) sollen 1,5 Mio. € zusätzlich eingeplant werden. Was den PuK-Prozess anbelangt, ermutigte Pietzcker zum Loslassen kostenverursachender Arbeitsgebiete und möchte so die Kirche neu gestalten.

 

Der Konsynodale Günter Gloser, Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses, legte dann seinen Prüfbericht vor. Er empfahl die Entlastung der Haushaltskasse ohne Einschränkung. Das Rechnungsprüfungsamt solle auch künftig erhalten bleiben.

 

Von der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes in Namibia berichteten Paula Göhre und Tim Sonnemeyer, die beiden Jugenddelegierten der Bayrischen Delegation. 145 Mitgliedskirchen hatten insgesamt 800 Delegierte nach Windhoek gesandt. Die beiden Delegierten waren begeistert von der Zusammengehörigkeit und den Begegnungen über Grenzen hinweg. Lutherische Theologie trage in vielfältiger Weise zur konkreten Befreiung von Menschen in unterschiedlichsten Kulturen bei.

 

Danach wurde die Aussprache zur Haushaltslage unserer Landeskirche eröffnet und die Vorlagen zum Jahresabschluss und zum Haushaltsgesetz in die Ausschüsse verwiesen. Anschließend stellte sich die neue Stelleninhaberin im Referat für Chancengerechtigkeit (früher: Frauengleichstellungsstelle), Frau Pfarrerin Dr. Barbara Pühl, vor. Sie wird sich nicht nur um Geschlechtergerechtigkeit kümmern, sondern auch um Fragen der Inklusion in unserer Kirche.

 

Nach der Abendsandacht tagten noch die Arbeitskreise – gegen 22 Uhr war es dann Zeit für einen Tagesausklang. ………………………………………………………………………………………………..

 

 

(Brigitta Bogner):

Der Dienstag, 28.11. begann mit einem Friedensimpuls im Schlosshof des Kurfürstlichen Schlosses. Auf einem Amboss wurde Eisen bearbeitet und der Dengelklang erinnerte daran, dass es immer wieder neu unser aller Aufgabe ist, Schwerter zu Pflugscharen zu machen und Gottes Frieden zu verkünden.

 

Es folgten zwei weitere Grußworte, einmal vom Vizepräsidenten der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Italien, Wolfgang Prader, der vom Reformationsjahr in Italien berichtete und als Gastgeschenk zwei italienische Lutherbriefmarken überreichte. Zum zweiten grüßte Herr Joachim Unterländer als Vorsitzender des Landeskomitees der Katholiken in Bayern.

 

Aus der Beratung über die Vorlagen sei hervorgehoben, dass die Jugenddelegierten zwar zukünftig als „Jugendsynodale“ bezeichnet werden, aber weiterhin vom Landesjugendkonvent bestimmt werden.

Ein weiteres Gesetz bezieht sich auf die Lutherische Kirche in Papua-Neuguinea und die ELKB, die seit 130 Jahren eng verbunden sind. Dass erst zum jetzigen Zeitpunkt ein Vertrag darüber geschlossen wird liegt daran, dass wir die Partnerschaft nun verlässlich und herausfordernd gestalten wollen und sie zeigen soll, dass wir gemeinsam gesandt sind in Gottes Mission. Der Beginn dieser Partnerschaft geht zurück auf Johann Flierl (*1858 in Fürnried/ Oberpfalz). Daher ist es aus räumlicher Perspektive absolut stimmig, dass diese Partnerschaftsarbeit nun in Amberg in der Oberpfalz vertraglich geregelt wurde. Die weltweite Gemeinschaft der einen Kirche Jesu Christi rückt in solchen Partnerschaften lebendig und anschaulich in den Blick. Gleichzeitig wird deutlich, dass beispielsweise in der Frage der Frauenordination (noch) erhebliche Unterschiede bestehen.

Eine andere Vorlage beschäftigt sich mit Weiterentwicklungen in der Kirchengemeindeordnung, vor allem im Hinblick auf Kirchenvorstände. Viele Vorschläge aus der Praxis wurden dort aufgenommen und eingearbeitet, so dass einige Regelungen jetzt zeitgemäßer und realitätsnäher erscheinen. Ein anschauliches Beispiel: Die teilweise bereits praktizierten Umlaufbeschlüsse in Kirchenvorständen sind zukünftig gesetzlich abgesichert.

 

Nach der Pause gaben OKR Blum und Thomas Prieto Peral einen Einblick in den Stand der Entwicklungen bei PuK. Sie gingen dabei auf kritische Rückfragen zur Zusammensetzung der Arbeitsgruppen und die Kommunikation ein und wiesen sie auf die Beiträge im Intranet hin, die wir gern an dieser Stelle allen Interessierten empfehlen: https://www2.elkb.de/intranet/puk

Die Regionalperspektive und die Ökumene sind zwei zentrale Blickwinkel, die in fast jeder der bisherigen Veranstaltungen zu PuK quasi von allein zur Sprache kamen. Dabei kommt die Frage danach, was wir bleiben lassen können, was wir zukünftig weniger oder nicht mehr so umfangreich brauchen, bisher oft noch erheblich zu kurz. Kreative Lösungsansätze sind weiterhin sehr gefragt. Folgende sieben Punkte sind für die kommenden Monate geplant:

1. Sämtliche weitere erbetene Erstveranstaltungen zu Puk sollen ermöglicht werden.

2. Gleichzeitig beginnt an manchen Orten bereits die vertiefte Arbeit zu PuK

3. Schwerpunkt: PuK im Bereich der Dienste und Einrichtungen

4. Workshops und Konsultationen, die im Laufe von 2018 durchgeführt werde sollen:

  • PuK und der ländliche Raum

  • Akademische Konsultation zu PuK

  • Jugendtag zu PuK

  • PuK als Thema der Dienste und Einrichtungen

5. In den Erprobungsdekanaten der Landesstellenplanung wir PuK eine wichtige Rolle spielen

6. Bis Ende 2018 sollen erste Umsetzungsvorschläge vorgelegt und zur Diskussion gestellt werden.

7. Um Vertrauen werben und Vertrauen rechtfertigen.

 

Ein anschaulicher Film über die Frage, ob das Gebäude der Evangelischen Kirche in Hausham für viel Geld saniert werden muss oder ob die Kirchengemeinde sich davon trennen kann, folgte. Für alle Gemeinden, die sich über solche oder ähnliche Gebäude ebenfalls den Kopf zerbrechen, sei vor allem die kluge und damit erfolgreiche Vorgehensweise mit transparentem Beteiligungs- und Kommunikationskonzept sehr empfohlen. Die Konsynodale Betty Mehrer aus dem Dekanat Bad Tölz ist sicherlich gern auf ihre guten Erfahrungen ansprechbar.

Eine mögliche Leitfrage in der Auseinandersetzung mit PuK im Hinblick auf Bewährtes und Bekanntes könnte lauten: Stimmt es noch, passt es noch, wie wir Kirche denken und handeln?

 

Im Rahmen der Mittagsbegegnungen durfte ich (Uli Wilhelm) eine neue Spielart der Kirchenmusik kennenlernen: Die Dekanatskantorin Kerstin Schatz stellte uns ihr Projekt der Musikgeragogik in der Kirchenmusik vor. Chorarbeit, Instrumentalunterricht und kirchenmusikalische Gruppenangebote für Menschen über 65 Jahre nehmen die demographische Entwicklung auf und tragen – auch durch berufsübergreifende Bildungsprojekte – lebendig zu Gemeindeaufbau und Mitgliederbindung bei. Besonders schön an dieser eindrucksvollen Begegnung war, dass wir nicht nur theoretisch davon hörten, sondern auch praktisch ausprobieren durften, wovon geredet worden war. Gemeinsam mit Seniorinnen und Senioren der Paulanergemeinde durften wir Synodalen singen, tanzen und ausprobieren wie Haferflockentüten, Löffel und Kochtöpfe in einem gemeinsamen Orchester klingen. Uns allen hat diese Abwechslung sehr viel Spaß gemacht!

 

Dass Begegnung und persönlicher Kontakt das A und O im Miteinander auf unserer Welt sind hat mich (Brigitta Bogner) in meiner Mittagsbegegnung bei der Firma Horsch in Schwandorf aufs Neue fasziniert. Hier werden Landmaschinen für die weltweite Verwendung produziert. Es handelt sich um ein Familienunternehmen mit mennonitischem Hintergrund. Allen, die an landwirtschaftlichen Fragen im Zusammenhang mit Umwelt interessiert sind, sei deren digitale Selbstvorstellung oder gar eine Betriebsführung wärmstens empfohlen: http://www.horsch.com/home/

 

Im Plenum folgten Aussprache und Rückfragen zu den eingebrachten Vorlagen. In die Änderungen zum Kirchenvorstandswahlgesetz beispielsweise sind viele Erfahrungen aus der letzten Wahl eingeflossen. Das Online-Wahlverfahren für alle ist bisher aber derzeit nur eine ferne Vision …

Vom Kirchengesetz zur Neuordnung der Pfründestiftungen sind wir in Oberbayern wohl überwiegend nicht betroffen. Hier ist vorgesehen, aus Gründen der Verwaltungs-vereinfachung, der Verbesserung der Ertragslage und der nachhaltigen Sicherung des Stiftungszwecks die bisher 1840 Pfründestiftungen zu einer einzigen zusammenzulegen. Ein weiteres Gesetz beschäftigt sich mit der Neuordnung der unterschiedlichen Formen des Vorbereitungsdienstes (Vikariate). Die Zeiten ändern sich, die Lebenswirklichkeiten junger Menschen auch, und am Ende sogar die kirchlichen Gesetze.

 

Der Schwerpunkt des Berichts aus dem Kirchenkreis Regensburg von Regionalbischof Weiss lag auf dem Rückblick auf das Reformationsjubiläum. Beeindruckend für uns im Süden war beispielsweise, dass es hier mancherorts Abendmahlskelche gibt, die 1617 zum einhundertjährigen Reformationsjubiläum gestiftet wurden. Oder gibt es die bei uns am Ende auch? Am Ende des Berichts bekamen wir noch einen kurzen Film zu sehen, der uns einige musikalische Höhepunkte des Reformationsjahres - wie z.B. den Schlusschoral der Johannespassion - lebendig und anschaulich vor Augen führte.

 

Nach der Pause wurden die Eingaben und Anträge an die Ausschüsse verwiesen. Anschließend erteilte die Landessynode dem Landeskirchenrat und dem Landeskirchenamt für die Allgemeine Haushaltskasse 2016 Entlastung ohne Einschränkung. OKR Dr. Nikolaus Blum ging in seinem Bericht aus der Abteilung A auf Stichworte wie die Öffnung der ACK-Klausel, die IT-Sicherheit, interne Organisationsentwicklung und auch auf einige aktuelle Fragestellungen ein, wie z.B. die Umsetzung der neuen Mietpreisverordnung, die in München doch einigen Staub aufgewirbelt hat. Gerechtigkeit muss eben immer wieder neu buchstabiert und ausbalanciert werden. Außerdem betrifft PuK auch das Landeskirchenamt: Es will die Umsetzung ermöglichen und unterstützen und nötige Rahmen setzen – das ist für manch einen ein etwas anderes Selbstverständnis als bisher.

 

Eine schöne Erfolgsgeschichte ist die Aktion mach-was-draus von Mission EineWelt geworden. Frau Hoerschelmann hat knapp und erfrischend mit den von ihr bekannten Zeichnungen auf der Leinwand davon berichtet. Und wer noch einmal selbst nachschauen möchte findet hier ein gelungenes Beispiel guter Fundraising-Ideen: https://mach-was-draus.de/#aktion

 

OKR Bierbaum aus Abteilung D griff in seinem Bericht u.a. die Bereiche Digitalisierung und Religionsunterricht heraus. Die Entwicklung vom analogen zum digitalen Reli-Buch ist auf den Weg gebracht. In der Polizeiseelsorge gibt es nun 4,75 Stellen in Bayern. Unterricht und Seelsorge, Seminare, Pilgerwege und Präventionsarbeit sind die Bausteine in diesem Arbeitsfeld. Hier findet viel gute Unterstützung der Gesellschaft von Seite der Kirche statt.

 

Nach der Abendandacht tagten die Arbeitskreise und zu später Stunde lud der Evangelische Arbeitskreis der CSU zum abendlichen Empfang ein. Dort konnte man die im Dekanat Weilheim sehr vertraute ehemalige Synodale Ursula Bauer treffen, die sich in diesem Kreis weiterhin fleißig engagiert.

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(Uli Wilhelm):

Am Mittwoch, 29.11.2017 arbeiteten wir zunächst in den Ausschüssen. Im Organisationsausschuss, dem ich (Uli Wilhelm) angehöre, ging es um zahlreiche Themen. Im Rahmen einer Erneuerung dienstrechtlicher Vorschriften wurde z.B. die neue Form des „Fortbildungsvikariates“ erörtert, das Kolleginnen und Kollegen aus anderen lutherischen Kirchen einen beruflichen Einstieg in die ELKB ermöglichen soll. Außerdem wurde ausführlich über den PuK-Prozess und seine Vernetzung mit anderen Prozessen (z.B. Landesstellenplan) gesprochen. Ein Studientag des Organisationsausschusses ist dazu für Januar 2018 geplant.

 

Der Ausschuss Gesellschaft und Diakonie (Brigitta Bogner) beschäftigte sich ausführlich mit der Dunkelfeldstudie „Die im Dunkeln sieht man nicht“. Klaus Umbach erläuterte die Herausforderung der Armutsbekämpfung und wie die ejsa einen Beitrag zu mehr sozialer Gerechtigkeit leisten möchte. Bei der Behandlung der Eingaben und Anträge haben wir im Ausschuss unserer Freude am Formulieren von Beschlüssen freien Lauf gelassen und dabei mit viel Heiterkeit CSU-Politiker, einen Gewerkschaftsführer und kirchliche Amtsträger mit etlichen gewöhnlichen Synodalen unter einen Hut gebracht. In guter Atmosphäre gedeihen auch gute Vorschläge.

 

Nachmittags beantwortete in der Fragestunde OKR Barzen eingegangene Fragen zum Thema „Immobilien“. Der Ankauf des Gebäudes „B1“ in Nürnberg sei eine gute Investition gewesen; die Umwandlung von einer Investitions- in eine Dienst-Immobilie sei noch nicht beschlossen, alle Optionen werden derzeit geprüft.

 

Danach hörten und diskutierten wir Berichte:

OKR Michael aus der Ökumeneabteilung setzte dabei diesmal den Schwerpunkt bei der Situation der Christen im Irak.

 

OKR Hübner aus der Gemeindeabteilung berichtete vom Abschluss der Evaluation zum innerkirchlichen Finanzausgleich. Vernetzung, Kooperation und die regionalen Gebäudekonzeptionen haben sich dabei gut bewährt, es können dadurch zusätzliche Handlungsspielräume gewonnen werden.

 

Aus dem Personalreferat berichtete OKR Helmut Völkl von den Planungen zum Landesstellenplan. Die Pastorationsdichte (also das Verhältnis Gemeindegliederzahlen zu Stellen) soll dabei möglichst auch nach 2020 für die Gemeindepfarrstellen erhalten bleiben. Für den übergemeindlichen Dienst sind erst noch Kriterien zu entwickeln. In jedem Fall wird die mittlere Ebene mehr Gestaltungsfreiheit erhalten, die Räume sollen gestärkt werden. Prioritäten und Posterioritäten sowie berufsgruppenübergreifende Zusammenarbeit werden nicht von oben festgelegt, sondern sollen jeweils in der Region entwickelt werden. 6 Erprobungsdekanate in unterschiedlichen Regionen sind derzeit dabei, konkrete Ideen zu entwickeln.

 

Im Anschluss wurde – teilweise recht zeitaufwändig - die erste Lesung der Gesetzesvorlagen durchgeführt: Haushaltsplan 2018, Verfassungsänderung bezüglich des Stimmrechts für Jugenddelegierte in der Synode, Partnerschaftsvertrag mit der Ev. luth. Kirche in Papua-Neuguinea, die Kirchengesetze zur Änderung kirchengemeinderechtlicher Bestimmungen, zur Änderung des Kirchenvorstandswahlgesetzes, zur Änderung dienstrechtlicher Vorschriften, zur Neuordnung der Pfründestiftungen,

 

Um der allgemeinen Ermüdung entgegenzuwirken, wurde übrigens zwischendurch auf Anregung des Präsidiums ein wenig Gymnastik gemacht, das war eine Neuerung!

 

Um 22 Uhr berichteten die Konsynodalen Petra Heeb und Wolfgang Oertel noch von den VELKD- und der EKD-Synoden, die vor zwei Wochen in Bonn stattgefunden hatten. Die Themen Klimagerechtigkeit, Jugend, Digitalisierung und Umgang mit extremen Parteien spielten dabei eine wichtige Rolle.

 

Gegen 22.30 Uhr endete der arbeitsreiche Tag dann schließlich mit der Abendandacht und einem „Absacker“, zu dem das Synodalbüro uns einlud.

 

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(Brigitta Bogner) Donnerstag 30.11.2017

 

In der Morgenandacht gelang es der Kirchenmusikerin Ingrid Kasper aus Bamberg die Synode, den Posaunenchor und den von ihr ins Leben gerufenen Synodenchor zu einem 16-stimmigen Kanon anzuleiten. Wir sagen das Magnifikat aus dem Lobgesang der Maria und sind nicht ganz sicher, ob es ein paar mehr als 16 Stimmen waren – aber es war schön.

 

Im Weiteren wurden die Vorlagen in zweiter Lesung abgestimmt. An dieser Stelle erlauben wir uns den Hinweis, dass immer die gesamte Tagung im Livestream mitverfolgt werden kann: https://landessynode.bayern-evangelisch.de/ Es sind dort auch viele Fotos und Beiträge eingestellt, die einen lebendigen Eindruck vom Synodengeschehen vermitteln.

 

Als Höhepunkt dieses Vormittags darf sicherlich die Unterzeichnung des Partnerschaftsvertrages mit Papua-Neuguinea gelten. Herr Hoerschelmann hielt dazu die Ansprache und ging vor allem auf die Bedeutung der Verlässlichkeit ein. In Zeiten, in denen große Staaten dieser Welt ihre Nation „first“ bedenken und vor allem eigene Wege und Vorteile verfolgen ist eine echte Partnerschaft leider keine Selbstverständlichkeit mehr. „Walking side by side“ ist dafür das aktuelle Motto unserer Kirche, das die bisherige Formulierung „Partnerschaft auf Augenhöhe“ ablösen soll. Respektvoll, überzeugend und wertschätzende legte Herr Hoerschelmann dar, wie das im Detail gemeint ist. Wieder stellte sich Mission EineWelt als kluge, moderne und sensible Einrichtung unserer Landeskirche dar. Wie erfreulich. Für seine Antwort darauf erhielt Bischof Jack Urame stehenden Applaus und im Anschluss wurden der neue Vertrag und die Partnerschaft mit einem Sektempfang gefeiert.

 

In einer gut vorbereiteten und sehr strukturierten Mammut Abstimmung gab die Synode ein sehr knappes Votum für die zukünftige Verkürzung der Herbsttagung um einen Tag ab. Außerdem soll das Synodalbüro prüfen, ob es einen dauerhaften Ort für diese Tagung geben könnte. Hinter vorgehaltener Hand wird in diesem Zusammenhang immer wieder über die Immobilie Bayreuther Straße 1 in Nürnberg gesprochen. Spannende Zukunftsmusik, die allerdings frühestens mit Beginn der nächsten Synodalperiode 2021 zum Klingen kommen wird.

 

Aus den Berichten der Ausschüssen sind zwei interessante Stichworte zu nennen: Zum einen die Dunkelfeldstudie zum Thema „Marginalisierte und schwer erreichbare junge Menschen mit komplexen Problemlagen als Zielgruppe der Jugendsozialarbeit“, mit der sich die Ausschüsse „Bildung, Erziehung und Jugend“ (BEJ) und Gesellschaft und Diakonie (GuD) befasst haben. Zum anderen kam erneut die Frage zur Sprache, ob die derzeit angesetzten Vorsteuerungswerte für 2019 und 2020 nicht zu starke Auswirkungen auf die den Abteilungen C und D angeschlossenen Arbeitsbereiche haben, so dass der PuK-Prozess dort zu wenig inhaltlich und zu viel von Einsparzwängen beeinflusst wird. Es geht auch hier – wie oft in den Gemeinden – darum, ob Inhalte oder Finanzen die Arbeit steuern sollen.

 

Der Dekanatsbezirk München hat hinsichtlich des Religionsunterrichts einen richtungsweisenden Antrag gestellt, der hier kurz zitiert sei, weil er viele Mitarbeitende im RU direkt betreffen könnte. Es wird darum gebeten, dass geprüft wird, unter welchen Bedingungen die Ausbildung von KatechetInnen durch die Anerkennung von Dienstzeiten, Beurteilungsnoten und weiteren Maßnahmen so anerkannt werden kann, damit die Bedingungen des Staatsvertrages für die kirchlichen Lehrkräfte für überhälftige Einsätze an Grund-, Mittel- und Förderschulen erfüllt werden. Dieser Eingabe wurde einstimmig zugestimmt. Es bewegt sich etwas.

Eine längere Diskussion folgte zur Eingabe der Evangelischen Jugend Bayern, den Reformationstag als Feiertag in Bayern zu verstetigen. Wie verträgt sich dieser Wunsch mit den Bemühungen, den Buß- und Bettag wieder als vollen gesetzlichen Feiertag einzuführen? Welche Erfahrungen gibt es damit in den Gemeinden, im Bayrischen Landtag und auf Bundesebene? Nachdenklich macht dabei, dass es auch ein Generationenthema zu sein scheint: Während die Älteren am Buß- und Bettag hängen nehmen die Jüngeren Rückenwind für den Reformationstag wahr. Der Begriff des „Beziehungswohlstandszuwachses“, den der Landesbischof hier verwendete, macht jedenfalls darauf aufmerksam, dass der wirtschaftliche Zuwachs nicht die einzige Größenkategorie sein sollte, unter der wir freie Tage diskutieren.

 

Während des Mittagsgebets um 12.00 Uhr sang die Synode schließlich in Ausblick auf die kommende Adventszeit die erste Strophe von „Macht hoch die Tür“. Wie schön, dass es genau in diesem Moment in Amberg leise zu schneien begann!

 

Mit wenigen Minuten Verspätung beendete die Präsidentin Dr. Anne-Kathrin Preidel dann die Tagung mit viel Dank an viele Mitwirkende. Die nächste Tagung wird Mitte April 2018 in Schwabach stattfinden.

Bis dahin wünschen wir allen treuen Leserinnen und Lesern unseres Berichts eine frohe und gesegnete Adventszeit und viel Freude und Kreativität beim kirchlichen Denken und Handeln.

 

 

Pfarrerin Ulrike Wilhelm                                                                                                                      Dipl. Religionspädagogin Brigitta Bogner

 

 

 

 

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